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Die Georgshöhe & die Freiherren von dem Bussche

Die Georgshöhe bei Thale, ist regional als grandioser Aussichtspunkt über das nördliche Harzvorland bekannt. Woher dieser Höhenzug östlich des Hexentanzplatzes aber seinen Namen hat, ist nur wenigen bekannt.

1753 erwarb ein Familienzweig des alten ostwestfälischen Adelsgeschlechtes der Herren von dem Bussche, dass in Halberstadt ansässig war, Besitzungen in Thale. Es waren die Herren von dem Bussche-Hünnefeld, die sich später „von dem Bussche-Streithorst“ nannten, die in Thale ein Rittergut bewirtschafteten und Forstwirtschaft betrieben. Der 1850 geborene Georg Freiherr von dem Bussche-Streithorst erbaute dann in seinem Forst auf dieser prädestinierten Höhe ein Forsthaus. Nach ihm wurde das Forsthaus und die Berghöhe „Forsthaus Georgshöhe“ genannt.

Sein Sohn Axel, geboren 1919, entschied sich nach dem Abitur 1937 für eine Militärlaufbahn. Bereits 2 Jahre später wurde er zum Leutnant befördert und war damit zu Beginn des II. Weltkrieges der jüngste Wehrmachtsoffizier. Zusammen mit dem späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, mit dem sich eine tiefe Freundschaft entwickelte, nahm er am Einmarsch in die Sowjetunion teil. Dieser Feldzug weckte erste Zweifel bei dem jungen Offizier, an der Sinnhaftigkeit des Krieges. Nach einer schweren Verwundung wurde er 1942 in die Ukraine versetzt. Dort wurde von dem Bussche Augenzeuge einer Massenerschießung von 3.000 jüdischen Kindern, Frauen und Männern durch die SS. Dieses Ereignis war Anlass für den Offizier sich innerlich von seinem Eid als Soldat zu lösen.

Er wandte sich dem Widerstand gegen dieses verbrecherische System zu und erkannte sehr bald, dass er mit seiner Einstellung nicht allein dastand. Er schloss sich einer Widerstandsbewegung an zu der einflussreiche Militärs genauso zählten wie bekannte Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft. 1943 traf der Thalenser Oberleutnant mit dem Chef des Stabes beim Ersatzheer, Oberst Graf von Stauffenberg, zusammen. Ein Attentat in Hitlers Hauptquartier „Wolfsschanze“ wurde minutiös geplant. Dabei sollte von dem Bussche bei einer Vorführung neuer Winteruniformen den „Führer“ mittels einer Sprengstoffdetonation töten, wobei er die Sprengkörper am eigenen Leibe tragen wollte. Er war bereit, sein Leben für das Wohl seines Volkes zu geben.

Aber es kam anders, die Vorführung wurde abgesagt und Hitler hatte wieder einmal Glück gehabt. Der junge Offizier musste wieder zurück an die Front und wurde wieder schwer verletzt, zum fünften Mal, aber diesmal verlor er ein Bein. So ging für von dem Bussche der Krieg im Lazarett zu Ende und er geriet in westalliierte Gefangenschaft. Seine Eltern mussten nach der Übernahme von Thale durch die sowjetische Besatzungsmacht Richtung Westen fliehen. Und auch Axel von dem Bussche blieb nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft im westlichen Teil Deutschlands.

Freiherr Axel von dem Bussche-Streithorst studierte Rechtswissenschaften und bekleidete bis zu seinem Tod 1993 zahlreiche bedeutende Positionen in Wirtschaft, Politik und Kirche. Der Jurist war 1991 auch einer der erfolglosen Kläger gegen die Bundesrepublik vor dem Bundesverfassungsgericht, wegen der Nichtrückgabe seines 1946 durch die sowjetische Besatzungsmacht enteigneten Besitzes. Als anerkannter Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus konnte er dieses Gerichtsurteil bis zu seinem Tode nicht begreifen und bezeichnete es als skandalös.

Die Georgshöhe mit dem Forsthaus gehört heute der Thalenser Familie Kaiser. Sie hat aus dem zu DDR-Zeiten stark in Mitleidenschaft gezogenen Objekt ein attraktives Feriendomizil gemacht. Das alte Forsthaus und ein neu errichtetes Blockhaus im kanadischen Stil bilden mit den gepflegten Grünanlagen und dem alten Eichenwald eine beeindruckend harmonische Einheit. Es ist ein Platz zum Wohlfühlen und Entspannen und die Aussicht ist wie eh und je grandios. Familie Kaiser fühlt sich nicht nur ihren Hausgästen verbunden, jeder Gast ist willkommen und kann das Vorharzpanorama genießen. Auch die direkte Anfahrt mit dem Fahrzeug ist möglich.

Übrigens, Thale hat ein Europagymnasium, das nach Axel von dem Bussches Freund „Richard von Weizsäcker“ benannte wurde. Und unser Altbundespräsident hat angeregt, zum Gedenken an den Thalenser Widerstandskämpfer, seinem Freund, einen Gedenkstein am Gymnasium zu errichten.

Link zur Pension Forsthaus Georgshöhe: www.forsthaus-georgshoehe.de

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Copyright der Fotos und der Texte Bernd Sternal 2009

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