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18. Das Fürstbistum Halberstadt im Bauernkrieg

Im 16. Jahrhundert wurden die Begriffe Fürstbistum, Fürststift und Hochstift oft parallel genutzt. Alle Ausdrücke bezeichnen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (HRR) ein Territorium, in dem die staatliche Souveränität von einem Bischof als Landesfürsten ausgeübt wurde. Fürstbistümer bildeten Reichsstände, die Sitz und Stimme auf der Geistlichen Bank des Reichstages des HRR besaßen. In fast allen Bistümern, aber auch in den Erzbistümern, wo sie Fürsterzbistümer genannt wurden, hatten sich im Hochmittelalter solche Grundherrschaften herausgebildet – so auch im Bistum Halberstadt.

Das Halberstädter Fürstbistum wurde in der Regel als Hochstift bezeichnet. Dieses Hochstift erwarb 989 Markt, Zoll und Bann des Ortes Halberstadt. Im 11. Jahrhundert erhielt es von Heinrich III. umfangreiche Grafenrechte, darunter 1052 die Grafschaft im Harzgau, die zur Grundlage der territorialen Herrschaft wurden. Der Herrschaftsbereich erstreckte sich aber nur in der Umgebung des Bischofssitzes Halberstadt. Zur Zeit des Bauernkrieges war das Bistum in Personalunion mit dem Erzbistum Magdeburg verbunden und damit auch die Landesherrschaft des Hochstifts an das Erzstift Magdeburg gebunden. Das Hochstift umfasste etwa folgende Territorien: Halberstadt, Osterwieck, Oschersleben (Bode), Ermsleben, Aschersleben, Hettstedt sowie Besitz im Südharz und in der Grafschaft Blankenburg.

Das Hochstift/Fürstbistum Halberstadt unterstand der Administration von Kardinal Albrecht von Brandenburg, aus dem Haus der Hohenzollern. Der war gleichzeitig Erzbischof von Magdeburg und Mainz sowie Kurfürst des HRR. Solche Häufung hoher geistlicher Ämter war eigentlich nach kirchlichem Recht nicht statthaft. Der Papst aber billigte sie trotzdem, erhielt er doch dafür stattliches Palliengeld. Diese Abgabe war eine bei der Wahl eines Erzbischofs an den Papst zu zahlende Abgabe. Nach der Zahlung wurde die Wahl vom Papst durch die Überreichung des Palliums (eines vom Papst gesegneten Bandes aus Wolle als Zeichen der erzbischöflichen Würde) bestätigt.

Es war wohl der berühmteste Fall der Zahlung von Palliengeld, die Summe von 20.000 Gulden, die der Erzbischof von Magdeburg, Albrecht von Brandenburg, 1517 für seine Wahl zum Erzbischof von Mainz an den Papst zu entrichten hatte. Um das Geld aufzubringen, ließ er Ablassprediger wie Johann Tetzel in seinen Territorien den Petersablass eintreiben, womit er die Reformation durch Luther auslöste.

Durch seine Palliergeldzahlungen und seine aufwendige Hofhaltung steckte der Kardinal ständig in Schulden, die zum Großteil seine Untertanen, vor allem die Bauern, aufzubringen hatten. Zeugnis davon liefern die Artikel, die im Frühjahr 1525 an die bischöfliche Verwaltung von den Dörfern eingereicht wurden (siehe auch 4. Die Situation der Bauernschaft zum Ende des Mittelalters).

Kein Wunder also, dass sich überall im Hochstift Widerstand bildete. Dabei gehörten die Aufständischen in keiner Weise nur zur Bauernschaft, auch Bürger, Handwerker und Angehörige des niederen Adels schlossen sich dem Aufstand an. So galten als Anführer: Kupferschmiedemeister Hans aus Hettstedt sowie der Adlige Werner von Sangerhausen. Auch weitere Kleinadlige werden genannt: ein von Veltheim, ein von Steinberg, ein von Bartensleben und ein von der Asseburg. Auch Mönche waren maßgeblich an der Organisation des Aufstandes beteiligt. Die des Klosters Hamersleben (am Großen Bruch) hielten den Bauernhaufen ihre Tore offen. Der Messpriester aus Hamersleben schaltete sogar den von der Erzbischöflichen Administration entsandten Amtmann von Crottorf, Freiherr von Keyendorf, aus. Ein Mönch vom Kloster Huysburg verriet den Bauern freiwillig das „heimliche Gewölbe“ seines Klosters, in dem die Klosterschätze gelagert wurden. Und die Mönche des Klosters Gröningen sollen die Bauern der Umgebung geradezu zur Inbesitznahme des Klosters aufgefordert haben. Aber bis auf Aktionen gegen Klöster und Klosterhöfe in Abbenrode, Badersleben, Gröningen, Hamersleben, Hedersleben, Huysburg und Stötterlingenburg blieb es in der Halberstädter Region verhältnismäßig ruhig. Allerdings wurden die genannten Objekte eingenommen, geplündert und zum Teil zerstört.

In der Ascherslebener Region des Hochstiftes kam es zu konzentrierten Aktionen der Aufständischen, besonders gegen die zwei Klöster Ascherslebens und der Konradsburg, sowie deren Güter. In Aschersleben sollen die Aktionen von der bereits 1325 gegründeten Lateinschule an der Stephanikirche ausgegangen sein. Es heißt, Thomas Müntzer soll dort Hilfslehrer gewesen sein. Eine Bestätigung dafür gibt es aber, außer der unter Folter erpressten Aussage von Müntzer am 16. Mai 1525, nicht. Trotzdem bildete sich in Aschersleben eine Aufstandsbewegung heraus.

Wie in anderen Städten der Region, so gab es auch dort Bestrebungen für eine Unabhängigkeit der Stadt von der fürstbischöflichen Oberherrschaft. Der Bürgerschaft der Stadt fehlte der Mut zu eigenen Aktionen. Als Führer für die Aufstandsbewegung in Aschersleben fand sich dann ein Paul Schramm. Dieser hatte die Absicht, sich der Hilfe der Bauernhaufen zu bedienen, die bereits unter ihrem Anführer Meister Hans vor der Stadt versammelt waren. Aber Schramm hatte auch Bedenken die Bauernhaufen in die Stadt zu lassen und dann eventuell alle Kontrolle zu verlieren.

Dem Anführer Meister Hans gewährte er den Zutritt in die Stadt und ließ ihn zum Bürgermeister bringen. Meister Hans soll dann angegeben haben, dass der Kaiser befohlen habe, alle Klöster zu stürmen und zu plündern. Wenn die Stadt diesem Befehl nicht nachkomme, so werde auch sie gestürmt und geplündert. Der Bürgermeister forderte die in Augenscheinnahme des schriftlichen Befehls. Den konnte Meister Hans nicht vorweisen und so wurde er aus der Stadt gewiesen.

Anführer Hans verfügte nicht über die Kräfte, die es zugelassen hätten, die Stadt mit ihren starken Befestigungen zu stürmen. Angeblich bemühte er sich um Verstärkung aus Hettstedt und Wiederstedt. Der Stadtrat nutzte diese Situation der Unsicherheit und Bedrohung eiskalt aus. Er verhandelte mit der Äbtissin des reichen Marienklosters und bot dem Kloster den Schutz durch die Stadt an. Im Gegenzug sollte das Kloster seine Schätze, die Klosterbibliothek mit sämtlichen Privilegien und Besitzverschreibungsakten, sowie sämtlichen Grundbesitz dem Rat zu treuen Händen zu übergeben. Die Äbtissin stimmte zu, aber die Hände des Rates waren nicht treu!

Das Marienkloster wurde den unzufriedenen Stadtbewohnern und den inzwischen zahlreich versammelten Bauernhaufen zur Plünderung übergeben. Die Stadt wollte damit von einer Stürmung und Plünderung der Stadt ablenken. Das verbliebene Klostereigentum wurde vom Rat beschlagnahmt und das bewegliche Gut versteigert. Außerdem bemächtigte sich der Rat des Raubgutes aus dem Kloster Winningen, welches die aufständischen Bauern mit in die Stadt gebracht hatten.

Dieser Betrug am Marienkloster sowie die Plünderung des Klosters Winningen hatten aber im Nachhinein für die Stadt Aschersleben böse Konsequenzen. Nach dem Sieg des Fürstenheeres mussten die Rädelsführer ausgeliefert werden, Ihr Schicksal ist nicht überliefert. Kardinal Albrecht forderte als Administrator des Hochstifts Halberstadt die schriftliche und bedingungslose Unterwerfung der Stadt.

Auch im westlichsten Teil des Hochstifts, in Osterwieck, sammelten sich Aufständische. Sie zogen über die Bistumsgrenze ins Goslarsche und Braunschweigische und überfielen dort besonders die wohlhabenden Klöster in Goslar und trieben das von den Mönchen nach Vienenburg gerettete Vieh zu sich nach Hause. Über die Ausraubung, Plünderung und Zerstörung des Klosters Stötterlingenburg ist ein zeitgenössischer Bericht überliefert. Er stammt vermutlich vom Probst der Abtei und ist im Urkundenbuch der Stötterlingenburg unter Nr. 318 archiviert.

Aber nicht überall gingen die Bauernhaufen so radikal vor. Das hatte sich Martin Luther so auch nicht gedacht. „Wir haben bloß die Herzen von den Klöstern zu reißen, nicht diese anzugreifen. Wenn die Herzen nun davon sind, dass Klöster und Kirchen wüst liegen, so lass man die Landesherren damit machen, was sie wollen“, schrieb er 1524.

Im nordöstlichen Teil des Hochstiftes, der Egelner Mulde, blieb es ruhig. Wohl weil sich dort die erzbischöflichen Truppen zu sammeln begannen. Auch darf man nicht außer Acht lassen, Kardinal Albrecht hatte seine Augen und Ohren überall, er war wohl zu jener Zeit der mächtigste Mann der Harzregion. Den Anführern Werner von Sangerhausen und Kupferschmiedemeister Hans war sehr wohl bewusst, dass sie die Kräfte der Aufständischen bündeln mussten, wollten sie erfolgreich Veränderungen herbeiführen. So sollte das Kloster Hamersleben ein Sammelpunkt für die Streitmacht der Aufständischen werden. Auch versuchten die beiden Anführer ein Zusammenwirken von Bauern, Bürgern und auch Adligen zu bewirken und die Interessen zu bündeln. Der Kardinal war aber über alle Aktivitäten unterrichtet und er schrieb an seine Räte in Halberstadt: „Sie haben böses, unchristliches Vernehmen gehabt, uns samt allen unseren Prälaten um Leib und Gut gebracht untreulich zu bringen und haben alle weltlichen Rechtsordnungen beseitigen wollen“.

Die Zusammenhänge im Fürstbistum/Hochstift Halberstadt, in Verbindung mit seiner Administration durch den Erzbischof Kardinal Albrecht, zeigen in besonderer und exemplarischer Weise die sich zuspitzenden gesellschaftlichen Verhältnisse in der Zeit vor und während des Bauernkriegs. Bereits im Jahr 1514, also 3 Jahre vor Luthers Reformation, gab es in Halberstadt Bestrebungen gegen das Klosterwesen. Dies hatte sicherlich seine Ursachen in der hohen Anzahl von Klöstern in diesem Hochstift – es waren 17. Initiator dieser Bestrebungen war der Halberstädter Bürgermeister Heinrich Schreiber, der auch Vorsteher der einflussreichen Gewandschneidergilde war. Dieser wollte mit Mitstreitern alle sechs Klöster der Stadt enteignen. Er wollte die Mönche davonjagen und den Klosterbesitz in Stadteigentum überführen. Der Grund dieser geplanten drastischen Maßnahmen gegen die Klosterbesatzungen waren: Schmarotzertum, Erbschleicherei, Bettelei, Betrug und Erpressung durch Ablasshandel sowie der Verstoß gegen viele kirchliche Regeln. Warum das Vorhaben 1514 nicht gelang, ist nicht überliefert. Aber im Jahr 1523 unternahm Bürgermeister Schreiber einen erneuten Versuch. Aber auch dieser scheiterte am Widerstand der Mehrheit des Rates. Der Streit hatte sich so zugespitzt, dass Schreiber mit seinen Verbündeten fliehen musste. Zwischen Derenburg und Wernigerode wurden die Fliehenden allerdings von den Leuten des Stiftshauptmanns gestellt. Es kam zu einem Kampf bei dem es Tote gab. Schreiber wurde festgenommen und nach Halberstadt verbracht.

 Dann wurde der renommierte Leipziger Schöppenstuhl angerufen, um im Falle Schreiber Recht zu sprechen. Das Urteil lautete: Züchtigung durch Ruten, Abhauen der Vorderglieder und ewige Verbannung aus der Stadt. Der Kardinal war nicht nur Kirchenmann, Adliger und weltlicher Herrscher, er war auch ein geschickter Taktierer und Diplomat – wenn es sein musste. Er hat wohl die Brisanz des Urteils für den Frieden im Hochstift erkannt und „großherzig“ das Urteil in eine Geldstrafe von 1000 Goldgulden umgewandelt. Schreibers Anhänger sollen gegen dieses Urteil beim Reichskammergericht Berufung eingereicht haben, es ist nicht bekannt, was daraus wurde.

Die Stimmung in Halberstadt verschlechterte sich in den folgenden zwei Jahre zunehmend. Da Thomas Müntzer seit 1512 auch in Halberstadt als Hilfslehrer tätig war, besaß er dort wohl einen gewissen Bekanntheitsgrad, durch den seine Lehren besonders angenommen wurden. 1525 kam es in Halberstadt auch zu allgemeinen Aufständen gegen Kardinal Albrecht. Ob wieder Diplomatie im Spiel war oder ob er sich einfach nur unterlegen fühlte, wir wissen es nicht. Jedenfalls hatte er alle Forderungen kampflos akzeptiert. Am 7. Mai 1525 schloss der Erzbischof mit der Stadt einen Vertrag der folgendes enthielt: Verzicht auf die Vogteirechte über die Stadt, Verzicht auf die Gerichtsbarkeit und alle Abgaben und Einkünfte. Die Stadt hatte nun erreicht, worum sie schon seit Jahrzehnten gerungen hatte. Wie in allen anderen Harzregionen und Grundherrschaften auch, war der Erfolg nicht von langer Dauer.

Weitere Informationen: Thomas Müntzer,

> 1. Ursachen und Umfeld
> 2. Das Harzgebiet im Deutschen Bauernkrieg
> 3. Die territoriale Zersplitterung der Harzregion
> 4. Die Situation der Bauernschaft
> 5. Die Städte der Harzregion
> 6. Der Bergbau und das Hüttenwesen
> 7. Die Rolle der Kirche im Bauenrkrieg
> 8. Harzer Klöster im Bauernkrieg
> 9. Die Grafschaft Mansfeld im Bauernkrieg
> 10. Die sächsischen Ämter Sangerhausen und Salza
> 11. Die Grafschaft Stolberg im Bauernkrieg
> 12. Die Grafschaft Hohnstein im Bauernkrieg
> 13. Das Reichsstift Walkenried im Bauernkrieg
> 14. Die Grafschaft Schwarzburg im Bauernkrieg
> 15. Die Herrschaft Wernigerode im Bauernkrieg
> 16. Die Grafschaft Blankenburg im Bauernkrieg
> 17. Die Grafschaft Anhalt-Ballenstedt im Bauernkrieg
> 18. Das Fürstbistum Halberstadt im Bauernkrieg
> 19. Goslar im Bauernkrieg
> 20. Allstedt im Bauernkrieg

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Copyright der Fotos und der Texte Bernd Sternal 2013

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